Lois Greenfield ist eine jener Fotografinnen, deren Bilder stets die unverkennbare Handschrift ihres Urhebers tragen. Ihre Aufnahmen von Tänzern haben sich zu einem Maßstab in der Kunstfotografie entwickelt: viele Fotografen, die versuchen, selbiges Niveau wie die amerikanische Ausnahmekünstlerin zu erreichen, scheitern an einem fehlenden Blick für schnelle Bewegungen.
Greenfields Aufnahmen rufen häufig zwei unvermeidliche Gedanken beim Betrachter hervor. Die einen sind überzeugt, dass die erstaunlichen Konstellationen, die die scheinbar schwerelosen Artisten in der Luft zustande bringen, nur durch versteckte Drahtseile möglich sein können. Andere wiederum sind sich einig, dass solche Bilder im digitalen Zeitalter sowieso nur noch am Computer mit der allseitigen Wunderwaffe Photoshop erstellt werden.
Doch keine dieser Vermutungen stimmen, denn Lois Greenfield vermag tatsächlich, das Unmögliche möglich zu machen und erschafft erstaunliche Aufnahmen von hochtalentierten Tänzern. Das Schwierige an ihrer Arbeit ist, die korrekte Haltung der Artisten und das bewegte Motiv in der entscheidenen Sekunde einzufangen. All das gelingt Greenfield ohne künstliche Drähte oder digitale Bearbeitungsprogramme. Der faszinierte Betrachter bewundert zwar die atemberaubenden Fotos, ahnt aber kaum, wieviel Planung, Visualisierung und Zeitgefühl für die Erstellung der Bilder nötig sind.
Bevor Greenfield sich der Kunstfotografie widmete, studierte sie Anthropologie und engagierte sich Bereich des Fotojournalismus. Sie reiste durch die Dritte Welt, schrieb Reiseberichte und fotografierte Leben und Leiden der armen Bevölkerung.
Zurück in New York, wurden der Rock’n'Roll und Antibewegungen zu zentralen Motiven ihrer Aufnahmen, bis sie sich schließlich vom Tanzen inspirieren ließ.
Ihre Bilder sind keine eingefangenen Impressionen von Theateraufführungen, sondern selbst erschaffene Kreationen, die in ihrem Fotostudio in New York realisiert werden. Greenfield betont, dass sie nicht den Tanz selbst, sondern vielmehr den „Geist des Tanzes“ fotografisch festhalten will.

Wenn ich mir Greenfields Bilder ansehe suche ich immer die Schwerkraft. Die löst sich bei ihr immer in “Luft” auf. Besser kann man Bewegung nicht einfrieren.
Menschen bilden in solch einer Form arrangiert auf einmal lebende Kunstwerke.