Nicholas Sinclair

Der Porträtfotograf wurde 1954 in London geboren. Bevor er mit 28 Jahren zur Fotografie kam, studierte er Kunst an einer englischen Universität.
Was für einen Maler Pinsel und Farbpalette oder für einen Musiker sein Instrument ist, ist für Nicholas Sinclair seine Kamera. Von sich selbst sagt er, dass er sich mehr von Malern als von anderen Fotografen für seine Arbeit hat inspirieren lassen. Fasziniert ist er jedoch vom psychologischen Einfühlungsvermögen der verstorbenen Porträtfotografin Diane Arbus. Sinclair sagt, er verstehe bis heute nicht, wie sie die so besondere Wirkung mancher Bilder erzielen konnte.

Nicholas Sinclair sieht seine Aufgabe darin, in seinen Bildern die Verletzlichkeit und Gefühle von Menschen zu reflektieren. Er ist nicht darauf aus, die Fassade zu reproduzieren, die viele vor der Kamera aufrecht zu erhalten versuchen. Denn Sinclair weiß: „Wir sind alle verletzlich und zerbrechlich, sowohl im Körper als auch im Geist.“ Er will die Identität der Menschen darstellen, um zu zeigen, wie sie sich entwickeln und verändern können. Deshalb arbeitet er vorzugsweise mit Menschen, die einen alternativen Lebensweg gewählt haben.
So begleitete er bei seinem ersten Fotoprojekt in den Achtzigern Zirkus-Artisten, denn für ihn ist der Zirkus ein Ort, wo die Identität und das Geschlecht einer Person wechseln kann und und wo Menschen, die in der Gesellschaft als Außenseiter gelten, sich frei entfalten können.

Generell beschäftigt sich Sinclair intensiv mit Identitätsentwicklung, -wechsel und -vervielfachung. Sein erster Bildband „The Chameleon Body von 1996 zeigt Menschen, die sich durch Tattoos, Piercings und Masken eine neue Identität erschaffen. Dem Betrachter wird jedoch deutlich gemacht, dass der oft schockierende Fetisch jener Menschen nur als Schutzhülle des darunter liegenden verletzlichen Charakters dient.

Ein weiteres interessantes Werk Sinclairs ist sein 2007 veröffentlichter Bildband „Berlin: Imagining the Tri Chord“, der das veränderte Gesicht Ostberlins dokumentiert. Für sein Werk hat der Fotograf nach Spuren gesucht, die die Bewohner der vibrierenden, historisch gezeichneten Stadt hinterlassen habe, und hat sie in fesselnden und poetischen Bildern verarbeitet.

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